Gemeinhin hält man den Mann für aggressiver als die Frau. Man spricht ihm auch generell ein größeres Aggressionspotential zu.
Sicher ist, daß ein Mann dank seiner stärkeren Muskulatur der Frau in körperlicher Verteidigung und Angriff überlegen ist. Mit Betonung auf körperlich.
Daß er in Notsituationen – sollte er psychisch oder körperlich angegriffen werden – zur körperlichen Waffe greift, liegt in der männlichen Natur.
Jeder stützt sich schließlich auf die Stärken, über die er verfügt.
In der feministischen Diskussion wird oft ein und dieselbe Form der Gewalt anders beurteilt, je nachdem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.
Auffällig ist die Nachsicht, in deren Genuß Frauen hier immer wieder kommen.
Über die von Frauen ausgeübten Morde in Ruanda in den neunziger Jahren wird getrost hinweggesehen.
Und die Tatsache, daß in unseren Breitengraden etwa Ärztinnen im Dritten Reich an Menschen bis zu ihrem Tod herumexperimentiert haben, das fällt gern unter den Tisch.
Oder wird unter ferner liefen erwähnt, so als ob der Journalist selbst nicht recht daran glauben möchte.
In ihrem Buch "Täterinnen" verfolgt Claodia Heyne die Spuren weiblicher Missetaten. ...
Generell also behaupten zu wollen, der Mann sei gewalttätiger als die Frau, kommt einem reduktionistischen Verständnis des Begriffes Gewalt gleich.
Und eben nicht einem – von Frauen so oft geforderten – ganzheitlichen Verständnis dieses Sachverhaltes.
Gewalt in einem engen körperlichen Sinn verstanden, ist eine Sache.
Die andere Sache ist, daß "Gewalt" (im weiteren Sinn) viele Gestalten annehmen kann, die nur allzuoft verharmlost werden.
Die subtileren Formen aggressiven Verhaltens sind oft eher weiblich denn männlich.
Frauen sind schon lange nicht mehr die Unschuldslämmer, die sich unterordnen, den Nachwuchs hingebungsvoll pflegen und ihren Männern treu und stark zur Seite stehen.
Wer sagt uns, daß psychische oder geistige Gewalt nicht weniger Schäden anrichtet? Nur weil wir keinen direkten, linearen Zusammenhang herstellen können?
Oder weil der betroffene Mensch noch lebt?
Gerade von Frauen wird immer wieder gefordert, daß wir das lineare Denken zugunsten von vernetzten, ganzheitlicheren Systemen aufgeben sollten.
Das aber müßten Frauen zunächst selbst praktizieren, bevor sie es als Ziel propagieren und von den Männern einfordern.
Während Männer – in jüngeren Jahren und in psychischen Ausnahmezuständen – eher dazu neigen, bei Bedrohung, Kränkungen etc. ihren Körper einzusetzen, benützen Frauen ganz andere Waffen. Sie sind im allgemeinen von klein auf darauf konditioniert, ihr kluges Köpfchen im Kampf zu nützen. Womit ich nicht behaupte, Männer seien nicht intelligent. Sie benützen ihre Intelligenz jedoch anders als Frauen. In der Regel eher für die Produktion von gemeinschaftlichen Gütern und Projekten als für die Bewerkstelligung von Kampfstrategien im persönlichen Alltag. Dort sind Männer einfach viel naiver und gutgläubiger. Um so enttäuschter sind sie dann auch, wenn sie "zufällig" das Opfer einer Intrige geworden sind.