Wir wollen uns an die komplizierte Frage heranwagen, warum Frauen – nach außen, also zugegebenermaßen –
nicht gerne als machtvolle Wesen erkannt werden. Wenngleich sie es zweifellos sind und es auch wissen.
Präziser noch: warum Frauen eher die sogenannte Männermacht anstreben, der Frauenmacht hingegen eher skeptisch und ablehnend gegenüberstehen.
Es darf nicht sein, daß Frau Macht hat. Allenfalls kokettiert sie damit, steht aber nicht ernsthaft dazu. Und es darf auch nicht sein, daß andere Frauen Macht ausüben.
Es gibt nichts, was Frauen mehr in Erregung versetzte als die Tatsache, daß eine andere Frau Macht ausübt oder über mehr Macht verfügt als sie selbst.
Beispielhaft seien hier nur die Sexualmacht erwähnt (die Macht weiblicher Anziehungskraft kommt immer an erster Stelle), weibliche Wirkungsmacht, Klimatisierungsmacht,
Führungsmacht, Geldmacht ... – vor allem dann, wenn die betreffende Frau in einem Zusammenhang direkter oder indirekter Art mit ersterer in Verbindung steht.
Frauen schauen zwar fleißig in die oberen Chefetagen hinauf und nehmen vielleicht auch einen Job in einer leitenden Position an.
Damit fangen dann aber sogleich die Probleme an. Frau muß realisieren – und daran hätte sie in der Hochblüte weiblicher Emanzipation nun wirklich nicht gedacht –,
daß sie von den weiblichen Angestellten mit Argwohn beobachtet wird.
Daß hinter ihrem Rücken getuschelt und gemauschelt wird, und daß man sie vordergründig zwar mit Respekt begrüßt,
hinterrücks aber alles Mögliche an negativen Eigenschaften zu suchen beginnt, die sie vom Sockel herabzwingen sollen.
Und sei es nur im Kopf dieser Frauen. Eine Killerphantasie im Kopf ist immer noch besser als ein Schreiten zur Tat. Da haben die Frauen gewissen Männern schon einiges voraus.
Nur ist ihre Hinterlist in Sachen Rivalität weit besser entwickelt als beim Mann. "Wenn Blicke töten könnten", heißt es im Volksmund.
Damit sind in der Regel Frauen als Täterinnen gemeint. Frauen verfügen zudem über Waffen, die man nicht in der Handtasche tragen muß.
Gekonnt und gezielt lassen sie hie und da ein treffendes Wort fallen, oder sie erfinden eine kleine Geschichte zu Ungunsten ihrer Rivalin, die sie dann diskret hinter vorgehaltener Hand mit
einer Treffsicherheit an die richtige Adresse bringen, die weit über derjenigen eines erstrangigen Polizeischützen liegen dürfte.
Frauen können in diesen Belangen strafrechtlich nicht verfolgt werden, es sei denn wegen übler Nachrede.
Das aber passiert ihnen nicht, denn sie sind so klug, daß die Urheberin der üblen Tat in solchen rufschädigenden Kolportagen oft gar nicht mehr auszumachen ist.
Die in einer oberen Position gelandete Frau leidet unter der Mißgunst ihrer Mitarbeiterinnen, ihrer Freundinnen und ihrer Nachbarinnen.
Sie fühlt sich bald einsam und allein gelassen, wo sie doch auch auf Frauensolidarität angewiesen ist. Von dieser aber kann sie nun nicht einmal mehr träumen.
Auf solche Art von Frauen im Stich gelassen, will sie die Machtposition wieder aufgeben.
Ist sie aber klug und autonom genug – womit auch die Unabhängigkeit vom Wohlwollen anderer Frauen gemeint sein soll –,
wird sie diese schwierige Phase durchstehen und daraus viel gelernt haben. Zum Beispiel: daß sie sich auf Männer besser als auf Frauen verlassen kann.
Und daß letztere ihr viel weniger im Wege stehen, als sie im Zuge feministischen Gedankengutes früher gerne bereit war anzunehmen.
Es ist nämlich nichts dagegen einzuwenden, daß eine Frau Macht hat. Und Frauen sollen auch dort, wo sie niemandem schaden, ihre Macht ausüben. Man soll den Frauen endlich die Macht lassen, die sie effektiv haben. Solange sie diese Macht nicht mißbrauchen, soll auch keine andere Frau kompetente Frauen an einer umfassenden Machtausübung im positiven Sinn hindern können. Soweit sind wir allerdings noch lange nicht. Denn die Rivalität unter den Frauen verunmöglicht nur allzu oft, daß wichtige gesellschaftliche Machtpositionen in die Hände von Frauen geraten. Das Gesetz "Du sollst nicht aus der Reihe tanzen" ist ein ehernes, unausgesprochenes Gesetz, für dessen Einhaltung Frauen nur allzu besorgt und alleweil emsig tätig sind. Von solcher weiblichen Geheimjustiz spricht natürlich niemand. Weil es schon immer sehr gefährlich war, den Frauen auf die Finger zu schauen. Das erklärt zumindest ein Großteil der bekannten "Angst vor der weiblichen Rache", deren Feldzüge so unerbittlich sind, daß sie einem Mann in diesen speziellen Formen nie und nimmer einfielen. Dafür braucht es weibliche Kreativität, Intuition und ein sicheres Kalkül für den Moment, in dem zugeschlagen werden muß, soll die "Beute" erfolgreich erledigt werden.