Die Situation

Männer haben es nicht leicht. Während Frauen heute allerorts vom Frauenbonus profitieren und tatkräftig und siegessicher den Gipfel weiblicher Selbstverwirklichung emporklettern, werden Männer Tag für Tag mit der harten Realität ihres Geschlechtes konfrontiert. Auf Schritt und Tritt werden sie von Frauen in Frage gestellt: in ihrer scheinbar so unbrauchbaren Männernatur. Es gibt kaum noch eine Nische, in der sich der heutige Mann entspannen könnte, in der man ihn für ein paar Minuten in Ruhe ließe. Es sei denn, es gelänge ihm, wenigstens seinen Arbeitsbereich zur Sphäre des Vergessens und zur Ablenkung vom Privatstreß umzufunktionieren. Aber auch dort dürfte er, umgeben von anderen weiblichen Angestellten, kein leichtes Leben mehr haben.
Gegen eine sachlich berechtigte oder sogar emotional geladene Kri­tik am Verhalten des Mannes wäre eigentlich nicht viel einzu­wenden. Gegen die erbarmungslose, an allen Ecken und Enden um sich greifen­de Herabsetzung und allgemeine Geringschätzung des männlichen Geschlechtes aber schon. Wie ein Virus nistet sich das Thema "Der Mann als Defizitwesen" in alle Lebensbereiche ein. Und sie sprießt allerorts munter weiter und erfreut sich in Frauen­kreisen der Erzeugung einer erstaunlichen Frauensolidarität auf Kosten Dritter: die Sage von der Inhumanität des männlichen Wesens und seiner ubiquitären Fehlbarkeit.
Herabsetzungen, versteckte und offene Kritik und erbarmungslose, uneinfühlsame Entwertung des Mannes sind an der Tagesordnung eines jeden Frauentreffs. Alles, was aus der Hand eines Mannes hervorgeht, ist mangelhaft, unvollkommen, mäßig bis miserabel. Ließe man die Frauen an dieselbe Sache heran, wären die Resul­tate endlich befriedigender. Am Mann wird herumgemängelt und päda­go­gi­siert, beklagt und angeklagt. Unter Frauen munter ausgetauschte Tips mit Umerziehungsstrategien sowie Rezepte für weibliche "Verteidigungs­schlacht­pläne" und nächtliche Brainwash-Methoden werden nicht ohne – allerdings fragwürdigen – Erfolg angewendet, derweil viele Ehen ihrem Ende zulaufen.

Wenn sich Frauen als machtlose Geschöpfe präsentieren, so kokettie­ren sie unbewußt mit etwas, von dem unterdessen jeder Schuljunge Kenntnis genommen haben dürfte: daß Frauen sehr wohl Macht haben und daß sie ihre ureigenen weiblichen Stra­te­gien direkter und indirekter Machtausübung Tag für Tag anwenden. Es fällt ihnen jedoch unsäglich schwer, zu dieser Macht zu stehen. Denn wer von sich zugibt, er habe Macht, der muß auch zu der Verantwortung stehen, die er damit besitzt. Gerade aber mit der weiblichen Ver­ant­wortung ist es so eine Sache: Lieber soll der Mann weiterhin für alles Mögliche verantwortlich sein. Diese Bequem­lich­keit des macht-, sprich verantwortungslosen Wesens Frau hat sich mittlerweile gut etabliert und auch in Diskussionen über die Geschlechterthematik zusammen mit der Opfertheorie für die Frau gut bewährt. Nur mit der Realität des weiblichen Alltags hat dies alles nicht mehr viel zu tun. Wohl aber mit dem taktischen Kaschieren wahrer und unangenehmer Sachverhalte.

Die Sehnsucht der Frau, sprich Liebessehnsucht nach dem Mann, schrei­tet auf den Nullpunkt zu. Der Frau schwebt ein Leben ohne Mann vor, keineswegs ein Leben ohne männlichen Schutz und finan­ziel­le Unterstützung, aber ein Leben ohne die Last des Verstehens und der Liebe. Liebe als Gefühlseinstellung und als aktives Verlangen nach dem Anderen, ihrer Natur nach bedingungs­los, scheint von der Frauenseite her vom Aussterben bedroht.
Auf diese Weise erscheint der Mann heute von der Frau in der Tat emotional abhängiger denn je. Angebot und Nachfrage als Regelsysteme haben jetzt auch in die Welt alltäglicher zwischen­mensch­licher Beziehungen Einzug gehalten. Und die Frau hat ihre Abhängigkeitsproblematik an den Mann delegiert und bekämpft sie dort. Schließlich will Frau keine abhängigen, anhänglichen Männer, sondern selbstbewußte, zufriedene, unterhaltsame und leiden­schaft­liche Lover, die keine Sorgen mit sich herumtragen.
So ist denn auch nicht mehr von der Hand zu weisen, daß viele Männer durch die feministische und postfeministische Haltung der Frauen in eine Schamecke getrieben werden, aus der sie nur mit viel Mühe wieder herausgeholt werden können. Passiv und resigniert sitzen sie sehnsüchtig auf ihren Plätzen und warten auf bessere Zeiten. Solche Männer – ich nenne sie hier aggres­sions­gehemmt, Ausnahmen gibt es immer – sind für Frauen dann aber eine bodenlose Enttäuschung. Und diese können mit ihren lahmen Blicken auch keine Frau mehr hinter dem Ofen hervorlocken. In Tat und Wahrheit sind viele von ihnen bereits geschädigte Wesen, in ihrer Natur als Mann umdressiert zu friedlichen, pazifistischen Geschöpfen, die keinem Insektchen mehr ein Flüglein krümmen, ihrer Frau aber auch nicht mehr potent gegenübertreten.