"Was verstehen wir eigentlich unter einem Macho?" diese Frage eröffnete die Diskussion, die das Familienzentrum Kandel am 16. März 1994
zum Thema "Werden unsere Söhne Machos?" veranstaltete.
Die Interpretationen der Teilnehmer/innen gingen weit auseinander:
Sie reichten vom verwöhnten Jungen, der sich gedankenlos bedienen läßt, über den, der die Frau(en) bewußt ausnutzt, bis zum Mann, der die Frauen verachtet.
Der letztere wurde dann Gegenstand der weiteren Diskussion.
Über die Entwicklung der Geschlechterrolle in der Kindheit berichtete der Landauer Psychologe Hans Maurer. Während die Töchter ein Modell für ihre spätere Weiblichkeit ständig um sich haben, fehle den Jungen oft ihr Vorbild. Wenn der Vater fehle (Berufstätigkeit, Alleinerziehende),können die Söhne Männlichkeit nur als "nicht weiblich" verstehen lernen, ihre Männlichkeit nur durch Abgrenzung und Ablehnung weiblicher Eigenschaften entwickeln. Das Fehlen eines positiven Vorbilds erzeuge Unsicherheit, die oft durch Herabsetzung der Frauen kompensiert würde. Nur selbstsichere Menschen können andere als gleichwertig ansehen.
Um der Entwicklung zum Macho und damit dem Geschlechterkrieg entgegenzuwirken, müßten die Väter mehr mit ihren Söhnen zusammen sein. Aber wieviel Möglichkeiten haben sie dazu? Damit beschäftigte sich der dritte Teil der Diskussion. Daß manche Mütter die Kindererziehung als ihr Revier verteidigen, wurde als überwindbar angesehen. Schlimmer wirken sich die gesellschaftlichen Strukturen aus: Da Kinder ihre Väter kaum am Arbeitsplatz erleben können, entgehe ihnen ein bedeutender Teil der väterlichen Persönlichkeit. Der Mangel an qualifizierten Teilzeitarbeitsplätzen und die unterschiedliche Entlohnung von Männer und Frauen seien meist ein zu großes Hindernis für die gleichmäßige Verteilung von Erwerbs- und Erziehungsarbeit auf Vater und Mutter. Solange diese Verhältnisse sich noch nicht geändert haben, sei es schwer, aber umso wichtiger, daß sich die Väter bewußt Zeit für ihre Söhne nehmen, um deren Chance auf eine gesunde seelische Entwicklung zu verbessern. (Schade, daß bei der Veranstaltung die Väter so in der Minderheit waren. Die Anerkennung ihrer Bedeutung hätte sie sicher motiviert.)