2009-03-08

Seniorenfeindlicher neuer Internetauftritt

Sehr geehrte Damen und Herren,

bis Ende Februar hatten Sie einen recht guten Internetauftritt mit deutlichen Kontrasten, sowie kräftigen aber nicht knalligen Farben. Ich habe auch darum Ihr Onlinebanking gern und viel genutzt.

Umso entsetzter war ich, als ich gestern ein völlig verändertes Bild vorfand: Dünne Konturen, blaugrüne, teils sehr blasse Schrift, die teil­weise zur weiteren Kontrastverminderung auch noch farbig hinter­legt ist. Und das auf einer Ihrer Startseiten unauffällig angebotene Ver­größern der Schrift mittel STRG+ funktioniert nicht bei meinem IE6.

In der Anlage finden Sie ein paar Musterausdrucke.

Sie sollten beim Internetauftritt berücksichtigen, dass nicht jeder die Augen eines 20-jährigen hat, und auch die Hilfe einer Brille begrenzt ist. Ich habe Ansätze zu einem grauen Star, mit dem ich aber im Alltag noch einwandfrei zurechtkomme. Nur Ihr neuer Internetauftritt ist für mich (und zweifellos auch viele andere ältere Kunden) eine Zumu­tung.

Ich werde Ihretwegen weder die Staroperation um mehrere Jahre vorziehen, noch meinen alten aber noch guten PC ersetzen, um IE7 nutzen zu können. Auch Ihre "Topangebote" sind für mich uninte­res­sant, wenn Sie mich dafür zwingen wollen, immer den neusten Flash-Player zu installieren.

Wenn sich Ihr Internetauftritt nicht bald wieder bessert, werde ich wieder auf Papierformulare übergehen, oder gar mein Gehalt/ Rente gleich nach Eingang per Dauerauftrag zu einer anderen Bank weiter­leiten, die noch ein seniorenfreundliches Onlinebanking hat.

Und natürliche werde ich Sie dann keinem mehr empfehlen, der älter als 40 ist. Denken Sie daran: Der Anteil der Älteren in der Bevölkerung nimmt zu. Dieser Brief geht in Kopie an unsere Senioren­beauftrage und wird im Verbraucherteil meiner eigenen Homepage veröffentlicht. Sie können aber aus dem Minuspunkt einen Pluspunkt machen, wenn ich binnen eines Monats vermelden kann, dass wenigstens Ihr Onlinebanking wieder seniorentauglich ist.

Mit noch freundlichem Gruß


Nach sechs Wochen war immerhin ein kleiner Fortschritt erkennbar, indem die Schrift im Kontaktformular etwas dunkler und die virtuelle Tastatur beim Einloggen größer und mit deutlicheren Konturen versehen war.

Nichts dazugelernt

2010-03-29, also ein Jahr später kam eine erneute Verschlech­te­rung des Onlinebankings. Die Farben schlugen ins Gegenteil um, sie wurden knallig, und dazu wurde die Oberfläche derart überladen-vielfältig-wirr und damit unübersichtlich, dass mir spontan der Handyspruch einfiel "Ich will doch nur telefonieren". Bei meinen ersten Versuchen hatte ich schon das mulmige Gefühl, dass ich vielleicht durch Fehlklicken verse­hent­lich irgendwelche Lastschriftrückgaben ausgelöst hätte. Ruhig wurde ich erst wieder, als mir einfiel, dass sowas ja durch TANs bestätigt werden muss - hoffte ich wenigstens.

Dazu wurde Flash (oder Active X) zwingend, und der IE6 wird auch nicht mehr unterstützt. (Auf meinem Hauptrechner kommt eine Hochrüstung aus technischen Gründen aber nicht in Frage. Ich muss auf einen weniger sicheren Zweitrechner ausweichen.)

Und im weiteren Verlauf habe ich erlebt, dass wohl implizit Kontoauszüge erstellt und ins Nirwana geschickt worden sind. Jedenfalls fehlen beim ersten nach der Umstellung abgerufenen Auszug ein Haufen Buchungen, und in der Nummernfolge klaffte eine Lücke.

Nach diesem zweiten Schlag ins Gesicht der Kunden nenne ich auch die Bank: Es ist die Sparda-Bank Baden-Württemberg.

Angeblich soll der neue Auftritt ja in Zusammenarbeit mit Kunden gemacht worden sein. Aber entweder waren das genau­solche Technik-Freaks wie die Konstrukteure, oder sie haben Ja und Amen gesagt, damit sie nicht als rückständig angesehen werden. Oder sie sind bei der Zusammenarbeit derart intensiv beatmet und mit flotten PCs versorgt worden, dass sie gar nicht mehr bemerken konnten, wie die Neuerungen auf jemand wirken, der damit überfallen wird und nichts weiter als eine Guided Tour hat.

Ich habe schon nach der ersten Verschlechterung einen Teil meiner Finanzaktivitäten zur Diba verlagert, wo ich auch Konten habe. Diese Verlagerung wird nun intensiviert, und ich denke bereits über die mittelfristige Auflösung meiner Sparda-Konten nach.