Frohe Weihnachtszeit

© Harald Dienstmann, in de.talk.jokes, Freitag, 20. Dezember 2002 13:59

Montag, 7. Oktober

Schönster Altweibersommer.
Noch einmal Menschen in T-Shirts und Sandalen in den Straßen­cafes und Biergärten.
Bisher keine besonderen Vorkommnisse in der Innenstadt.

Dann plötzlich um 10 Uhr 47

kommt der Befehl von Aldi-Geschäftsführer Erich B.:
"Fünf Paletten Lebkuchen und Spekulatius in den Eingangs­bereich!"

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.
Zunächst reagiert SK-Geschäftsführer Martin O. eher halbherzig mit einem erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse.

15:07 Uhr

Edeka-Marktleiter Wilhelm T. hat die Mittagspause genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der Wurstauslage.

16:02 Uhr

Die Filialen von Penny und Ihrkauf bekommen Kenntnis von der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachtsstillstandsabkommen bis zum 10. Oktober.
Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.

Dienstag, 8. Oktober

7.30 Uhr

Im Eingangsbereich von Karstadt bezieht überraschend ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während zwei Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbeihastende Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören.
Zeitgleich erstrahlt die Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260000 Elektrokerzen.

Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur ohnmächtig zu­schau­en, immerhin haben jetzt auch Spar, Co-op und SK den Ernst der Lage erkannt.

Mittwoch, 9. Oktober

9:00 Uhr

Edeka setzt Krippenfiguren ins Gemüse.

9:12 Uhr

SK kontert mit massivem Einsatz von Rauschgoldengeln im Tief­kühl­regal.

12:00 Uhr

Neue Dienstanweisung bei Co-op: "An der Käsetheke wird mit sofor­tiger Wirkung ein frohes Fest gewünscht."

Der Spar-Markt kündigt für den Nachmittag Vergeltungs­mass­nah­men an.

Donnerstag, 10. Oktober

7:00 Uhr

Karstadt schaufelt Kunstschnee in die Schaufenster.

8:00 Uhr

In einer eilig einberufenen Krisenversammlung fordert der aufge­brachte Penny-Geschäftsführer Walter T. von seinen Mitarbeitern lautstark "Weihnachten bis zum Äußersten!" und verfügt den pausenlosen Einsatz der von der Konkurrenz gefürchteten CD "Weihnachten mit Mireille Matthieu" über Deckenlautsprecher.

Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.

Freitag, 11. Oktober

8:00 Uhr

Anwohner in der Ladenstraße versuchen mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung, die nun auch vom Spar-Markt angedrohte Musik-Offensive "Heiligabend mit den Flippers" zu stoppen.

9:14 Uhr

Ein Aldi-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen rammt den Posaunenchor Adveniat, der gerade vor Karstadt zum großen Weihnachts­oratorium ansetzen wollte.

9:30 Uhr

Aldi dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um Pfeffernüsse, sondern um Christbaumkugeln gehandelt.

Sonnabend, 12. Oktober

Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend aggres­siver.

10:37 Uhr

Auf dem Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Co-op-Parkplatz zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen worden. Die Beamten sind ratlos.

12:00 Uhr

Seit gut einer halben Stunde beschießen Karstadt, Edeka und Co-op die Fußgängerzone mit Schneekanonen.

Das Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst.

14:30 Uhr

Weite Teile der Innenstadt sind unpassierbar. Eine Hubschrauber­staffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der Bergung von Eingeschlossenen.
Menschen wie Du und ich, die nur mal in der schönen Herbstsonne bummeln wollten.