Wirtschaftsführer, die in den Talkrunden des Fernsehens sorgenvoll ihr Haupt wiegen, beteuern,
dass sie dem System des freien Marktes ausgeliefert und in ihren Entscheidungen ohne Spielraum seien.
Sie wollen keine Massenentlassungen vornehmen, aber die Kapitalrendite fordere es; sie wollen keine Arbeitsplätze ins Ausland
verlagern, aber die Konkurrenz erzwinge es; sie wollen Firmen weder schließen noch ausweiden,
aber die Börse mit ihrem unerbittlichen Blick auf den Aktienkurs mache es leider unausweichlich.
Damit befinden sie sich in der gleichen Situation, wie Alkoholiker: Sie sind machtlos, weil sie zu schwach sind, etwas dagegen zu unternehmen.
Und so muss man ihnen auch die 12 Schritte empfehlen, die sich bei den Anonymen Alkoholikern bewährt haben:
1. Schritt
Wir gaben zu, dass wir der Marktwirtschaft gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
2. Schritt
Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
3. Schritt
Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.
4. Schritt
Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
5. Schritt
Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
6. Schritt
Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
7. Schritt
Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
8. Schritt
Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.
9. Schritt
Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war – es sei denn,
wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
10. Schritt
Wir setzten die Inventur bei uns fort und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
11. Schritt
Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden – zu vertiefen.
Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn
zuführen.
12. Schritt
Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir,
diese Botschaft an Manager weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.
Vielleicht würden einige Manager und Führungskräfte, die sich mit diesem Text befassen, doch ein bisschen soziale Verantwortung oder wenigstens Verstand entwickeln. Denn dass der momentane unter dem Vorwand der Globalisierung betriebene Raubtierkapitalismus kein Zwang, sondern nur eine Ideologie ist, ist (bei gutem Willen) leicht zu erkennen.
4.9.2005