Fördern und Fordern

Seit einigen Jahren ist oft von "Fördern und Fordern" die Rede. Zuerst bei der Personal­führung in der Wirtschaft, dann bei Beamten, Schülern, Hatz IV -Empfängern ...
Angeblich will man ihnen helfen, Fähigkeiten zu entwickeln, und ihnen dann Aufgaben geben, bei denen sie diese einsetzen sollen.

Aber was bleibt von dieser Parole in der Praxis übrig?
Die Objektperson (der Ausdruck ist Absicht) erhält ein Almosen, einen Kurs, oder sogar nur ein paar anfeuernde Worte, ohne Rück­sicht auf ihre individuelle Situation und Persönlichkeit, also ohne Nachdenken darüber welche Förderung ihr wirklich helfen würde.
Und danach kommt die Erwartung = Forderung, dass sie gefälligst nun eine Leistung zu bringen habe, damit sich der "immense Aufwand" auch gelohnt hat.
So bleibt am Ende von "Fördern und Fordern" nur noch das Fordern übrig. Und die Objektperson wird als "böse", "faul", "unwillig", ... abgestempelt, weil sie nicht so funktioniert, sich nicht so ausnutzen lässt, wie die Menschenverwalter es sich erträumen.

Richtig wäre:
Menschen wollen etwas leisten, wollen Erfolg und Anerkennung. Brauchen Ausgleich von Defiziten, Beseitigung von Hindernissen, etwas Ermunterung – und dann die Chance, ihre Fähigkeiten einzusetzen, mit anschließender Anerkennung.
Aber um das zu tun, muss man sich ja mit ihnen befassen, über sie nachdenken, sie verstehen.
Das kann man doch von keinen Vorgesetzten, keinem Mitarbeiter des Arbeitsamts, keinem Lehrer ... erwarten.

Oder doch?

11.5.2008

Man gibt einem Fisch eine Handvoll Heu und schickt ihn zum Bananen ernten.
Wäre es nicht besser, ihm einen Wurm zu geben, ihn Perlen­muscheln einsammeln zu lassen und dafür zu belohnen?