Es gibt zwar auch Hunde, die von sich aus Menschen belästigen oder gar angreifen, aber die meisten Hunde sind harmlos, wenn man sich selbst nicht allzu ungeschickt benimmt.
Hier ein paar Tipps dazu:
Je früher man einen Hund bemerkt, umso länger hat man Zeit, sein Verhalten abzuschätzen und sich darauf vorzubereiten. Mir z.B. genügen 20 Meter = 7 Sekunden, um passend auf einen Hund zu reagieren, aber in der Regel sehe ich sie schon 50 Meter oder weiter vorher.
Also überblicke Deine Laufstrecke und die angrenzenden Wege und Flächen möglichst weit voraus.
In der Regel interessiert sich ein Hund nicht für einen Jogger, der mal kurz vorbeiläuft. Entweder er guckt nur, oder er ist überhaupt mit was anderem beschäftigt.
Das kann sich aber leicht ändern, wenn man durch Rufen oder Verscheuch-Bewegungen die Aufmerksamkeit extra auf sich zieht.
Hunde verstehen die menschliche Sprache nicht, außer dem, was sie durch Dressur oder Gewohnheit erlernt haben.
Wenn ein Fremder "Bleib weg" ruft oder herumfuchtelt, kann der Hund das genauso interpretieren als "der will was von mir".
Also beobachte den Hund zwar, aber verhalte Dich so unauffällig, als hättest Du ihn überhaupt nicht bemerkt. Dazu gehört auch, dass Du ihn nicht anstarrst und ein etwaiges vorsorgliches Ausweichen nicht zu deutlich durchführst.
Jedes Tier hat in seinem Instinkt zwei Distanzen programmiert:
Die Fluchtdistanz ist die, bei deren Unterschreitung das Tier sich bedroht fühlt und die Flucht ergreift.
Die Angriffsdistanz ist die, bei deren Unterschreitung das Tier aus Aggression oder auch Angst zum Angriff übergeht.
Ein praktisches Beispiel ist der Dompteur im Zirkus, der mit einem Gegenstand (Peitsche, Stuhl) die Distanzen bewusst verletzt, um ein
Tier zum Zurückweichen oder Herankommen zu veranlassen.
Diese Distanzen sind nicht nur von Rasse zu Rasse, sondern sogar von Tier zu Tier verschieden. Das kannst Du nur durch Beobachtung des Tiers abschätzen. Der Übergang von Uninteressiert zum Angriff ist ja nicht plötzlich, dazwischen kommen die Phasen der Aufmerksamkeit und Anspannung, die Du erkennen kannst.
Natürlich kann man sich in der Beurteilung eines Hundes irren. Außerdem kann selbst der bravste Hund irritiert zuschnappen, wenn man zu nah an ihm vorbeiläuft.
Also halte einen Abstand, der Dir ermöglicht, bei einer überraschenden Reaktion noch rechtzeitig auszuweichen. Und wenn das nicht möglich ist, reduziere Dein Tempo, damit Du a) den Hund weniger irritierst, und b) ihn aufmerksamer beobachten kannst.
Lege Dir einen Abwehrspray zu und lerne, damit umzugehen.
Nicht um leichtfertig und voreilig herumzusprühen, sondern für die wirklichen Angriffe, die es trotz richtigen Verhaltens durchaus geben kann.
Wenn Du weißt, dass Du im Ernstfall fähig und willens bist, einen aggressiven Hund abzuwehren, gibt Dir das Selbstsicherheit und
reduziert das Risiko, durch Nervosität oder gar Panik Fehler zu machen, die einen vermeidbaren Angriff erst herausfordern.
Wenn Du Hemmungen haben solltest, Dich zu wehren, hilft Dir vielleicht meine Seite "Köter und Jogger – Rechtliches"
Jeder Hund ist anders, und die nachfolgenden Punkte sind im Einzelfall keine Garantie. Aber die Grundüberlegungen bieten doch gewisse Anhaltspunkte für die erste Einschätzung:
Die Post macht für ihre Zusteller Schulungen.
Siehe Bericht in der "Zeit".
Wobei Zusteller anders als Jogger fast immer mit den selben Hunden zu tun haben.
Das ist einerseits ein Vorteil, weil man sie kennenlernen und optimales Verhalten entwickeln kann, andererseits ein Nachteil, weil bei wirklich
bissigen Kötern nach einer Abwehr mit Pfefferspray eine erneute Begegnung nicht vermieden werden kann.
Aber lesenswert ist der Artikel trotzdem.