Jogger und Köter – Rechtliches

Wenn ich so meinen Trainingslauf mache und mir Hunde begeg­nen, so interessiert sich etwa die Hälfte überhaupt nicht für mich, die andere Hälfte wird von ihren Besitzern problemlos zurück­gehalten. Die meisten Hundebesitzer sind tatsächlich vernünftige Menschen.
Vereinzelt gibt es leider aber auch Flegel, die meinen ihr Hund dürfe alles und Passanten müssen das erdulden – notfalls stehen­bleiben und warten, bis der Köter sein Interesse verloren hat.

Zum Beispiel in Karlsruhe verbot mir eine Hundebesitzerin, in einer öffentlichen Grünanlage (Günter-Klotz-Anlage) zu joggen, weil ihr "Hund das nicht mag".
Weiteres Beispiel war ein neurotischer Köter in Kandel, an der Biegung der Elsässer Straße. Das Vieh hat mich fünfmal angegriffen. Anfangs half Abwehrspray, aber das vierte Mal 15.5.99 12xx ließ er sich nicht mal vom Abwehrspray verjagen, und ich mußte fünf Minuten warten, bis die Begleitperson sich endlich bequemte den Köter an die Leine zu nehmen.
Inzwischen kommt eine Töle namens Andy dazu, die mich am Kandeler Naturfreundehaus schon viermal angegriffen hat.
Der schlimmste Fall, den ich bisher erlebt habe, war am 1.5.02 ein Hundebesitzer, der mir nachdem ich seinen Hund abgewehrt hatte, auf meinem weiteren Weg auflauerte und mir drohte, er würde mich "plattmachen".

Kommentar zur Rechtslage

Überall auf öffentlichen Wegen, wo Fußgänger gehen dürfen, darf auch gejoggt werden. Jogger sind Fußgänger (das Tempo ändert nichts an dieser Klassifizierung).
Niemand hat das Recht, einen Jogger ohne triftigen Grund zum An­halten zwingen. Die Launen eines Hundes sind kein triftiger Grund. 1)
Erfolgt das Aufhalten des Joggers durch Bedrohung mit einem "empfindlichen Übel", z.B. Bedrohung mit einem Hundebiß, so ist der Tatbestand der Nötigung nach §240 STGB gegeben. 2)

Natürlich sollte man die überlasteten Gerichte nicht unnötig beschäf­ti­gen. Ersatzweise ergibt sich aus der Tatsache, daß es ein solcher Hundeangriff rechtswidrig ist, nach §32 STGB das Recht auf Notwehr.
Ein angemessenes Mittel der Notwehr ist auf jeden Fall ein Abwehr­spray. 3)
Sollte das jedoch nichts nützen, sind auch härtere Maßnahmen zulässig – je nach Hartnäckigkeit und Gefährlichkeit des Köters bis hin zur Tötung des Viehs.

Aber egal, wie weit man rechtlich gehen dürfte, es ist auf jeden Fall besser, das Tier umzubringen, als selbst gebissen zu werden.
Und glaube niemals einem Hundebesitzer, der meint "Der tut nichts". 4) 5) Das sagen alle, bis sie sagen müssen "Das versteh ich nicht, das hat er noch nie gemacht".

Fussnoten und Anmerkungen zur Hundehalter-Propaganda

  1. Selbst wenn der Hund nicht beißen, sondern jemand nur ansprin­gen will, um zu spielen oder zu grüßen, ist das nicht akzeptabel. Es ist das Recht jedes Menschen, selbst zu entscheiden, wann und bei welcher Gelegenheit er das zulässt. Ein Hundehalter hat dem Hund beizubringen, das zu respektieren.
    Hundehalter die das nicht verstehen (wollen), sollten sich mal überlegen, ob es ihnen Recht wäre, wenn auf der Straße ein x-beliebiger Mann sie bzw. ihre Lebensgefährtin plötzlich in den Arm nimmt und abknutscht. ("Ich will doch nur spielen.")
    Hör ich da den Einwand, dass ein Hund schließlich nicht soviel Verstand hat, wie ein Mensch? Ein Hund (vielleicht) nicht, aber der Halter sollte ihn haben. Bei manchen Hund/Halter-Paaren habe ich allerdings das Gefühl, dass der Hund immer noch der klügere ist.
  2. In der Rheinpfalz 2000-07-15 schrieb ein Leser:
    Die Situation eines freilaufenden Hundes vergleiche ich mit einem Menschen, der mit durchgeladener Waffe auf andere zielt und dabei sagt: "Was wollen Sie denn, ich drücke doch nicht ab, ich will nur spielen." Ob jemand mitspielen will, wird vorher nicht gefragt.
  3. Nachdem ich einen Hund abgewehrt hatte und dafür vom Halter angegriffen wurde (siehe Fall), fragte mich eine Tussie, wie ich reagieren würde, wenn jemand meinem Kind Pfeffer ins Gesicht sprühen würde.
    Ganz einfach: Wenn ein Hund heranstürmt, der noch seine Zähne besitzt, so ist das vergleichbar mit einem Menschen, der mit einem gezückten Messer angestürmt kommt. Meine Kinder haben ge­lernt, sowas nicht zu tun. Sollten sie es wider Erwarten doch tun, würde ich ihnen sagen, dass sie sich die Konsequenzen selbst zuzuschreiben haben. Mein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit mache ich nicht davon abhängig, wie ich zu den beteiligten Personen stehe.
    Der Tussie ging es allerdings darum, die Abwehr eines Angriffs gleichzusetzen mit dem Angriff auf ein friedliches Kind, und so Notwehr zu diffamieren. Ein primitiver Tiefschlag übelster Sorte.
  4. Sprüche und ihre Übersetzung:
    Hundehalter heißt im Klartext meistens:
    Das hat er noch nie getan Das tut er doch immer!    oder
    Ich kenne meinen Hund nicht, deshalb bin ich überrascht!
    Das tut er gern / immer Diese Unarten leistet er sich nur bei mir, weil ich zu faul war, es ihm abzugewöhnen
    Der tut nichts Hoffentlich tut er nichts! Ich weiß nie, was er tut
    Das würde er zu Hause nie tun Ich würde es nie wagen, ihm das zu Hause zu verbieten, weil er ohnehin tun würde, was wer will
    Er mag nicht allein gelassen werden Wenn ich weg bin, baut er das Haus ab und macht die Nachbarn fertig. Nur weil ich zu faul war, ihm das zeitweilige Alleinsein bei­zu­bringen.
    Er hat eine schlechte Veranlagung Wenn der Hund etwas nicht kann oder nicht tut, was er vom Halter hätte lernen können, wird die Schuld einfach auf sein genetisches Erbe geschoben
    Er mag Kinder Ich kann ihn nicht daran hindern, Kinder anzuspringen und umzuwerfen.
  5. 4166 Menschen werden in Deutschland pro Monat so übel ge­bis­sen, dass die Haftpflichtversicherung der Halter einspringen muss.
    Beruhigenden Sprüchen – wie "der will doch nur spielen" – glauben vor allem die 2853 Briefträger nicht mehr, die im Jahr 2000 gebissen wurden – trotz Seminaren über den Umgang mit aggressiven Hunden, die die Post ihren Angestellten anbietet.
    siehe GEO MAGAZIN Nr.1/Januar 2001
  6. Weitere Punkte habe ich auf Grund eines Gästebucheintrags dort im Kommentar beschrieben.

Und was tut unser "Rechtsstaat"?

Die Rheinpfalz berichtete am 21.5.2002 von einem Fall:

Ein Jogger war von einem Kampfhund angefallen worden. Dabei wur­de ihm der rechte Wadenmuskel durchgebissen. Die Begleit­per­so­nen des Hundes kümmerten sich nicht um den Verletzten. Das Opfer musste zwei Wochen ins Krankenhaus und war anschließend noch weitere sechs Wochen arbeitsunfähig.

Eine der Begleit­per­so­nen musste zwar wegen der unterlassenen Hilfeleistung 500 Mark Strafe zahlen, aber die Schuld hinsichtlich Körper­verletzung (Hundebiss) hat die Staatsanwaltschaft Zweibrücken "als gering erachtet" und darum das Verfahren "mangels öffentlichem Interesse" eingestellt.

Mangels öffentlichem Interesse? Liegt es nicht in unser aller Interesse, also im öffentlichen Interesse, dass wir uns in der Öffentlichkeit ohne Angst vor Übergriffen bewegen können? Wozu ist im Grundgesetz ein Recht auf körperliche Unversehrtheit festge­schrieben? Wieviel ist unser "Rechtsstaat" noch wert, wenn seine Organe uns so im Stich lassen?

Wenn der Rechtsstaat uns im Stich lässt, bleibt uns nichts weiter übrig, als dem Faustrecht (oder Hundezahnrecht) der angreifenden Hunde und Halter mit grenzenloser Notwehr bis hin zur Selbst­justiz zu begegnen.

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Gästebucheinträge

Obwohl ich oben gleich zu Beginn schreibe, dass die meisten Hundebe­sit­zer vernünftige Menschen sind und Flegel nur vereinzelt auftreten, bekomme ich immer wieder hasserfüllte Gästebuch­ein­träge oder gar Anrufe. Ich frage mich, was das für Typen sind, die eine Pauschalisierung zu Grunde legen, der ich selbst ausdrücklich widerspreche. Sind die PISA-geschädigt? Oder gehören die selbst zu den Flegeln und können berechtigte Kritik nicht ertragen?
Ich vermute beides. Denn Menschen, die ordentlich lesen können und klar denken, wissen um den Schaden asozialen Verhaltens für die Gesellschaft und verteidigen es nicht.