"Ich bin ja so sensibel"

In der Bevölkerung gibt es ca. 15% hochsensible Menschen. Aber was heißt eigentlich "sensibel"?

Ursprünglich ist das Wort aus dem Lateinischen sentire = "fühlen, empfin­den, wahrnehmen" über das Französische sensible = "der Emp­findung fähig" in die deutsche Sprache gekommen. Es entsprach damit dem deutschen "empfindsam", und wurde in meiner Jugend auch (nur) so verwendet.
Im Lauf der Zeit wurde es aber immer mehr auch im Sinne von "empfindlich" = "nicht viel aushalten können" verwendet.

Hochsensibilität bedeutet, dass die betroffenen Personen mehr Informationen aus ihrer Umgebung wahrnehmen, als die "Normalen".

Und was dann?

Wenn die betroffene Person emotional stabil ist, ein gutes Selbstwert­gefühl hat, kann und wird sie lernen, mit der Flut an Informationen (=Reizen) umzugehen. Sie wird sich rechtzeitig entlasten und erholen, aber im Rahmen ihrer Kraft möglich viel davon nutzen. Sie gebraucht die Hochsensibilität als nützliches Werkzeug. Solche Menschen haben großes Einfühlungsvermögen und "hören das Gras wachsen".

Instabile Menschen dagegen sind damit überfordert. Je nach Toleranz des Umfelds flüchten sie sich in Wehleidigkeit ("man muss auf mich Rück­sicht nehmen") oder werden aggressiv (verbal "lasst mich Frie­den" oder gleich körperlich). Geschlechtsspezifische Unter­schiede beruhen allein auf der Reaktion des Umfelds: Da dieses Frauen gegenüber mitleidiger und toleranter ist, als gegenüber Männern ("reiß dich zusammen"), flüchten Männer fast ausschließlich in Aggression, während Frauen bevorzugt ihr Umfeld per Wehleidigkeit manipulieren.
Beides ist jedoch gleichermaßen eine Belastung für die Mitmenschen und darum auf die Dauer nicht zu tolerieren. Hochsensibilität an sich ist noch eine wertfreie Eigenschaft, aber wenn sie zu einer Belastung des Miteinanders führt, ist sie als psychische Krankheit anzusehen, und die Betroffenen sollten fachliche Hilfe in Anspruch nehmen (Neurologe, Psychotherapeut), bevor sie sich selbst ins Abseits manövrieren.