Wählen gehen?

Die Wahlbeteiligung in Deutschland ist seit langem recht niedrig. Ein bisschen kann ich es ja verstehen:

Wozu also noch wählen gehen?

Manche wählen aus Protest Parteien, die gesellschaftliche Außen­seiter sind, z.B. die NPD. Aber da tun sich die Etablierten leicht, diese Stimmen und ihre Wähler abzuqualifizieren. Und für viele Wähler ist das kein Weg, weil sie (nicht zu Unrecht) fürchten, dass dadurch die Rechtsradikalen zuviel Einfluss gewännen.
Trotzdem ist das ein Ansatzpunkt, man müsste es nur ein bisschen anders machen:

Wahlberechtigte 61 432 868
Wähler 48 582 761
Wahlbeteiligung 79,1% amtlichreal
SPD 18 488 66838,5%30,1%
CDU 14 167 56129,5%23,1%
CSU 4 315 080 9,0% 7,0%
GRÜNE 4 110 355 8,6% 6,7%
FDP 3 538 815 7,4% 5,8%
PDS 1 916 702 4,0% 3,1%

Wenn bei 80% Wahlbeteiligung eine Partei nur Stimmen von 32% der Wahlberechtigten bekommt, kann sie sich in einem (relativen) Ergebnis von 40% (der Wähler) sonnen, und ihre in Wirklichkeit geringere Akzep­tanz verdrängen. Schaut Euch mal rechts die Ergebnisse der Bundes­tags­wahl von 2002 an.

Anders sähe es aus, wenn die Nichtwähler ihre Stimmen auf andere Parteien verteilt hätten, selbst wenn diese aussichtslos sind:

Wahlberechtigte 61 432 868
Wahlbeteiligung 100%
SPD 18 488 66830,1%
CDU 14 167 56123,1%
CSU 4 315 080 7,0%
GRÜNE 4 110 355 6,7%
FDP 3 538 815 5,8%
PDS 1 916 702 3,1%
REP 1 842 986 3,0%
GRAUE 1 842 986 3,0%
Tierschutz 1 842 986 3,0%
ödp 1 842 986 3,0%
DIE FRAUEN 1 842 986 3,0%
BP 1 842 986 3,0%
FAMILIE 1 842 986 3,0%
KPD 1 842 986 3,0%

An der Sitzverteilung in den Parla­men­ten würde das zwar nichts ändern, aber die Parteien bekämen ihre reale Akzeptanz vor Augen geführt.

Natürlich lässt sich so eine derart gleichmäßige Verteilung nicht erreichen, mangels Absprachemöglichkeit. Aber selbst wenn eine Splitterpartei verse­hent­lich über die 5%-Hürde rutschen würde, wäre das keine Katastrophe. Sie könnte sich zwar aufspielen, aber keinen ernst­haften Schaden anrichten.
Also geht wählen. Wenn Euch keines der Parteiprogramme gefällt, dann wählt die, die Euch am wenigsten missfällt. Und wenn Ihr Euch nicht die Mühe machen wollt, Parteiprogramme zu studie­ren, dann nehmt einfach die letzte Ziffer Eures Geburtstags und zählt ab der ersten Partei, die nicht im Parla­ment sitzt. Das dürfte eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung begünstigen.

17.5.2005