Die Wehrpflicht wurde zum 1.7.2011 "ausgesetzt". Aber "ausgesetzt" ist nicht "abgeschafft".
"Ausgesetzt" heißt, die Wehrpflicht bleibt im Grundgesetz. Männer werden weiter erfasst, nur nicht gemustert.
So kann die Wehrpflicht "im Notfall" über ein einfaches Gesetz wieder belebt werden.
Und ein "Notfall" ist schnell erfunden, wenn die Politiker mal wieder durchdrehen.
Bei einer Abschaffung wäre die Wehrpflicht aus dem Grundgesetz gestrichen worden.
Für eine Wiedereinführung wäre dann eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig gewesen.
Da die Wehrpflicht somit weiter besteht und jederzeit wieder aktiviert werden kann, gelten die nachfolgenden Ausführungen weiter:
Die Wehrpflicht ist
und sollte (wenn es denn überhaupt eine Pflicht geben muss) durch eine allgemeine Dienstpflicht ersetzt werden, die a) für beide Geschlechter gilt, und bei der man b) frei entscheiden kann, welche Art von Dienst man wählt.
Verfassungswidrig ist die Wehrpflicht, weil sie nur für ein Geschlecht gilt.
Denn im Grundgesetz, Artikel 3 steht "Männer und Frauen sind gleichberechtigt".
Zwar steht in Artikel 12a, dass für Männer eine Dienstpflicht eingeführt werden kann, aber dadurch wird Artikel 3 ja nicht aufgehoben.
Die Existenz beider Artikel ergibt logisch, dass zwar eine Dienstpflicht eingeführt werden kann, dass aber dann,
wenn sie für Männer eingeführt wird, sie auch für Frauen gelten muss.
Wenn (wie die Rheinpfalz am 12.4.2002 schrieb) das Bundesverfassungsgericht die Wehrpflicht für verfassungskonform erklärt,
indem es auf Artikel 12 a verweist, aber Artikel 3 unterschlägt, dann
| Feministischen Ausreden gegen eine Wehrpflicht für Frauen habe ich auf einer extra Seite zerpflückt. |
macht es sich zum willigen Vollstrecker für FeministInnen, die für Frauen alle Rechte und Freiheiten, aber für Männer alle Pflichten und Zwänge wollen.
Auch mit der Aussetzung der Wehrpflicht wird diese sexistische Ungleichbehandlung weitergeführt:
Mit der Einrichtung eines freiwilligen Wehrdienstes zum 1. Juli 2011 sollen zwar auch alle jungen Frauen eines Jahrgangs ebenso wie die Männer
von den Kreiswehrersatzämtern erfasst werden, um ihnen Werbeschreiben schicken zu können, aber
die entsprechenden Daten der Frauen werden nach spätestens einem Jahr wieder gelöscht, bei Widerspruch der Betroffenen auch früher,
während die Daten der Männer weiter gespeichert bleiben.
Idiotisch ist die Wehrpflicht deshalb, weil ein gezwungener Soldat nicht nur wesentlich weniger motiviert und kämpferisch ist, als ein freiwilliger,
sondern weil das Auswahlverfahren auch völlig ungeeignete Männer verpflichtet.
Wer ist denn tauglich? Nach meiner Erfahrung genügt es, körperlich gesund zu sein.
Aber wer gesund ist, ist noch lange nicht den Belastungen eines Kriegs gewachsen.
Damit meine ich nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychischen:
Ich habe während meines Wehrdienstes festgestellt, dass ich für Kampfeinsätze viel zu tollpatschig war.
Ich wäre nur nutzloses Kanonenfutter gewesen, wie so viele andere aggressionsarme Zwangsverpflichtete auch.
Darüber hinaus haben der Drill und die Ungerechtigkeiten, die ich während meines Zwangsdienstes erlebt habe,
meine Einstellung gegenüber diesem unserem Staat nachhaltig zum Negativen verändert.
Alternative:
Die Bereitschaft, sich für unsere Gesellschaft zu engagieren, ist hierzulande angeblich sehr hoch (und war ja auch bei mir vor meinem Zwangsdienst wesentlich höher).
Es wäre ausreichend und gewiss besser, statt eines Zwangsdienstes vielseitige Möglichkeiten für einen freiwilligen Dienst anzubieten,
und den jungen Menschen die freie Wahl zu lassen, ob, wo und wann sie ihn leisten.
Als zusätzliche Motivation könnte man ja einen solchen Dienst im späteren Leben als Bonus (z.B. bei Bewerbungen) honorieren: "Ham se jedient?".
13.4.2002 anlässlich allerneuster Verfassungsgerichtsurteile