Unser Garten ist kein Hundeklo

Wir waren bei den Ersten in unserem Neubaugebiet, das ein belieb­ter Ort für Gassi-Gänge war, und anfangs hatte unser Vorgarten noch keine Abgrenzung zur Straße. Immer wieder fanden wir Hundehaufen im Vor­garten, obwohl ringsum genügend Brachland war, wo sie sich hätten verewigen können.
Natürlich geschah das immer, wenn keiner von uns es sehen konnte (man hat ja auch was anderes zu tun, als die Straße zu beobachten). Ein Schild an unserer Hauswand "Unser Garten ist kein Hundeklo" half ebenso wenig, wie ein in unserer Lokalzeitung abgedruckter Leserbrief.

Schließlich erinnerte ich mich an einen Bericht, wie die Kinder eines Kindergartens dasselbe Problem angegangen waren: Sie hatten auf dem Rasen vor ihrem Kindergarten jeden Haufen mit einem Schild markiert, das lautete "Hier hat ein Schwein seinen Hund scheißen lassen". Als ich den nächsten Haufen fand, tat ich das dann auch, statt ihn wie vorher wegzuräumen.

Danach war Ruhe.

Später erzählte uns ein Nachbar (selbst Hundebesitzer) eine kleine Beobachtung:
Als das Schild stand, und wieder mal ein Hund vorbeikam, lief der auch wieder in unseren Vorgarten und beschnüffelte den alten Haufen. Der Besitzer kam neugierig hinterher, las das Schild – und beeilte sich ganz nervös, seinen Hund wegzulotsen und mit ihm zu verschwinden.

ca. 1988


Menschen wissen durchaus, was richtig und was falsch ist. Nur manchmal (und in den Fällen Hundekot und rücksichtsloses Rauchen sogar recht oft) vermeiden sie nicht das Fehlverhalten, sondern versuchen nur, sich vor den Konsequenzen zu drücken – indem sie es heimlich/unauffällig tun, indem sie leugnen, oder wenn das alles nicht funktioniert, indem sie aggressiv werden, in der Hoffnung Kritiker mundtot zu machen. Aber wer fest und gelassen bleibt, ist gegenüber solchen Flegeln grundsätzlich im Vorteil.