"Versuchs doch mal mit einem Lächeln. Du siehst gleich viel besser aus".
An diesen Spruch musste ich denken, als ich auf Dienstreise im Hotel wohnte.
Das Personal war – wie in Hotels üblich – auf seriöse Freundlichkeit programmiert.
Beim Frühstück ließ ich meine Augen wandern, denn Beobachten meiner Umwelt, insbesondere von Menschen ist mein "Hobby".
Immer wieder ging eine Bedienung durch die Tischreihen, um die Gäste mit Kaffee/Tee zu versorgen.
Bei einer dieser Frauen wurde das getrimmte Lächeln besonders warm und nett, wenn Sie einen Gast ansprach und nachgoss.
Eines Morgens sah ich sie auch in einer völlig anderen Situation:
Sie stand am Eingang, ohne Kontakt zu Kolleginnen und Gästen und sah in die Runde, ob sie gebraucht würde.
Der Gesichtsausdruck war völlig verändert. Fort das Lächeln, auch das trainierte.
Nur noch ein gespannt aufmerksamer Gesichtsausdruck, richtig streng, ein menschlicher Roboter.
Wenn ich das Alter dieser Frau schätzen sollte, so hätte ich beim Gespräch mit einem Gast auf 25 getippt, in dieser Situation aber auf 40.
Ich kann mich nicht erinnern, die Wirkung eines Lächelns bzw. seines Fehlens jemals so krass erlebt zu haben
1990