Wenn das Leben nicht mehr durch Anforderungen von außen strukturiert wird, muss man ihm selbst Struktur und Ziele geben, damit man nicht mit Fernsehen, Filzpantoffeln und Flaschenbier versumpft. Das ist unabhängig davon, ob man die Jahre nur als Sabbatjahre nutzt oder in Rente geht.
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Alt sein ist eine herrliche Sache, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heißt.
(Martin Buber, 1878-1965, jüdischer Religionsphilosoph) |
Ich habe mir in dieser Hinsicht schon Monate vor dem Ausstieg Gedanken gemacht. Das Ergebnis war ein Wochenplan und eine Projektliste.
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Man kann nur leben, indem man oft genug nicht macht, was man sich vorgenommen hat.
(Elias Canetti, 1905-1994, Schriftsteller deutscher Sprache) |
Der Wochenplan strukturiert die Zeit. Natürlich muss ich mich nicht sklavisch daran halten, er soll Stütze sein, aber nicht Korsett.
Um den Rhythmus des körperlichen Training, meines Waldlaufs, ranken sich die "Schmutztage" mit körperlicher Arbeit in Haus und Garten, und dazwischen die "Bürotage", wo ich mit Papier und Computer arbeite. Zwischen feste Zeiten wie Mahlzeiten, Haushaltsarbeiten, werden jede Woche Arbeiten aus der Projektliste eingesetzt.
Die Projektliste im Detail zu veröffentlichen brächte nichts, ich fasse nur die Ziele zusammen: Im Grunde läuft es darauf hinaus, Lebenserfahrung weiterzugeben und sich weiter zu engagieren. Das ist schließlich die Aufgabe von uns Alten, wenn wir die Tretmühle des Erwerbslebens hinter uns haben. Und das Privatleben, die Familie und die erweiterte persönliche Umgebung können jetzt etwas mehr gepflegt werden.
In diesem Sinn habe ich vor (die Reihenfolge ist keine Wertung)
Meine "Memioren" schreiben (natürlich hier auf der Homepage),
was ich erlebt habe, was ich gefühlt und gedacht und wie ich gehandelt habe.
(Für den Fall, dass mir vorher etwas zugestoßen wird,
habe ich einige negative Highlights als
Zeitbomben im Netz hinterlegt.
Diese enthalten im Gegensatz zu den offiziellen Memoiren sogar Namen und Adressen,
denn Tote kann man nicht mehr auf Unterlassung verklagen.)
Meine Homepage umstrukturieren, noch benutzerfreundlicher und möglichst sogar behindertengerecht (mein eigener Anflug von grauem Star machte mir schon auf meinen eigenen Seiten Probleme)
Dazu gehört natürlich, dass ich mich körperlich und geistig fit halte. Ich sage ja schon seit Jahren gelegentlich "Ich will mindestens 100 werden.", und wenn ich meine Pläne sehe, dann muss ich das auch. Nach den Ergebnissen meiner Vorsorgeuntersuchungen habe ich gute Chancen dafür.
Aber auch wenn er möglichst spät kommen soll, so steht auf der Projektliste auch die Aufgabe
He, jetzt werdet nicht gleich trübsinnig. Das Ende gehört nun mal auch dazu. Und es wäre rücksichtslos, die Entsorgung komplett den Kindern zu überlassen.
Man muss ja nicht gleich so weit gehen, wie ein Kollege vorschlug, dass man sich schon zu Lebzeiten seinen Sarg besorgt, man könne ihn ja solange er nicht benötigt wird, als Gästebett verwenden ...
Nach einem Jahr, insbesondere nach der Augen-OP, als ich wieder gut sah, hat sich der Zeitablauf recht gut eingepegelt. Vom Wochenplan ist die Tagesfolge geblieben, während ich die stundenweise Tagesplanung aufgegeben habe. Die Dauer der Tätigkeiten und Unterbrechungen sowie die Zeit des Aufwachens sind einfach nicht ohne Stress planbar. Notwendige Auszeiten sowieso nicht.
Nach mehreren Versuchen, meine Zeitplanung praktikabel zu notieren, bin ich schließlich bei Aufgabenkärtchen Größe A8 gelandet,
die auf einer Magnettafel anordne.
Bei zyklischen Aufgaben landen die Kärtchen hinterher in einer Kalender-Kartei, wo sie zu gegebener Zeit wieder auftauchen.
Die Kärtchen des aktuellen Tages werden auf eine handliche, transportable kleine Tafel übertragen.