Nachdem sich sogar Bildzeitung und ein lokaler Radiosender damit beschäftigt haben, will ich die ganze Geschichte auch aus erster Hand liefern:

Bussardangriff

Im Bienwald bei Kandel, in dem sich viel Läufer tummeln und auch ich dreimal die Woche laufe, nistet seit ein paar Jahren ein Bussard, und

Der Unterschied zwischen Läufern und Joggern ist, dass Läufer ihren Sport etwas konsequenter treiben als Jogger.

der greift auch vorbeikommende Läufer und Jogger an, in der Regel allerdings nur während der Brutzeit. Ich war aber bisher noch nicht belästigt worden. Ich dachte das komme daher, dass er nur bei nach oben offenem Gelände angreift, und nicht auf baumüberdachten Wegen wie ich sie bevorzugt benutze.
Aber der Mensch dachte und der Bussard lachte. Hör ich da samstags (17.7.) plötzlich hinter meinem Kopf ein kräftiges Flattern und spüre den zugehörigen Luftzug. Obwohl ich ihn nicht gesehen habe, war mir die Situation sofort klar, denn unsere Lokalzeitung hatte dieses Jahr schon über Bussardangriffe auf Jogger berichtet. Zum Glück blieb es bei diesem Lauf bei dieser einen "Warnung".

Was nun? Ich hatte mir erst im Frühjahr ein paar neue Laufstrecken vermessen, die dort vorbeigingen und die ich ungern wieder aufge­geben hätte. Die Alternative war, sich zu schützen. Also nahm ich ab dem nächsten Mal einen Südwester mit, aus zähem olivgrünen Material, den setzte ich zu Beginn des kritischen Wegs auf und nahm ihn hinterher wieder ab.
Beim nächsten Lauf, montags, blieb ich unbelästigt. Dann am Mittwoch hör ich ein Rauschen, wie Fahrtwind in Gefieder und schau diesmal nicht links über die Schulter, sondern nach rechts oben. Da seh ich ihn abdrehen und auf einem Ast landen. 50m später noch mal das gleiche Spiel. Der Abstand beim Vorbeiflug war diesmal wohl etwas größer, vermutlich weil mein Anblick mit dieser Kopfbedeckung ungewohnt war.

Am folgenden Samstag (24.7.) wurde es dann Ernst: An der gleichen Stelle wie die vorigen Anflüge auch, spüre ich plötzlich einen Schlag auf den Hinterkopf, wie wenn mir jemand ein Brathähnchen hinter­rücks auf den Schädel knallt (ein aufgetautes natürlich!). Dass ich nicht von den Krallen verletzt wurde, verdanke ich wohl nur der schützenden Kopfbedeckung.


Nachdem ich bei den Angriffen unverletzt blieb (das erste Mal durch Glück/Zufall, später durch Schutzmaßnahme), konnte ich das Ganze von der heiteren Seite nehmen: Wir haben in der Newsgroup de.rec.sport.laufen den Bussard und mich kräftig durch den Kakao gezogen. Am Besten lest Ihr die Diskussionen direkt in Google nach.


Weil der Bussard schon soviel Leute angegriffen hat, auch nach Ende der Brutzeit und nicht nur Läufer, hat die Naturschutzbehörde seinen Horst zerstört, in der Hoffnung, dass er verduftet. Das war am Nach­mittag nach dem zweiten Angriff auf mich. Nach dem dritten Angriff konnte ich es dann nicht lassen, der Behörde und der Lokalzeitung zu mailen, dass der Bussard von der Maßnahme nicht sonderlich beein­druckt zu sein schien.

Zum Vergrößern anklicken

Danach meldete sich Montag einer von der Bildzeitung. Weiß der Himmel, wie er an die Info gekommen ist, Bild hat wohl seine Zuträger überall.
Der Journalist hat sich von mir die Ört­lich­keiten zeigen lassen und den Wirt des Naturfreundehauses interviewt, in dessen Nähe die Angriffe stattfanden. Dabei erfuhr ich, dass mindestens drei Bussarde rund um das Naturfreundehaus nisten und dieses Jahr bereits 13 Läufer verletzt wurden.

MP3
908 KB

 

Auf Grund des Zeitungsartikels meldete sich dann am näch­sten Tag der Lokalsender Radio Regenbogen. Es wurde ein Interview aufgezeichnet und am Nachmittag gesendet. Allerdings wurde radikal geschnitten, so dass eine mehr reißerische Darstellung entstand, ein anderer Interviewer mit ande­ren Sätzen hinzugefügt und das Ganze als Live-Interview dargestellt. Da konnte ich live erleben, wie Zuhörer mit verfälschten Sachen gefüttert werden.


Danach bin ich ein paar Tage nicht mehr angegriffen worden. Ich habe mich schon gefragt, ob der Bussard beleidigt ist. Hat er mir die Publicity übel genommen? Oder meinen bildhaften Vergleich?
Welcher Raubvogel lässt sich schon gern mit einem Brathähnchen vergleichen. So was ist schließlich Image schädigend.

Aber später erfuhr ich, dass wieder ein Bussard jemanden ange­griffen hat, und am Mi, 4.8. hat er mich wieder in 1m Höhe überflogen und ist in einem eleganten Bogen davon.

Juli/August 2004


Der Rest dieser Seite ist nur noch Chronik ohne besonderen Unterhaltungswert.

Zwei Jahre war Ruhe, Dann
2007-05-23 1730 Überflug in ca. 3-5m Höhe.
2007-05-26 1050 hat sich einer aus den Bäumen vor mir gelöst und ist 50m vor mir her geflogen, in einer Höhe von vielleicht 1,5m, ist dann in die Bäume zurück, und als ich herankam das gleiche Spiel. Insgesamt dreimal, erst nach dem dritten Mal ist er abgedreht. Das Ganze war in einem Waldweg, über den junge Bäume ein Gewölbe von 4-5m Höhe bildeten, also ein Weg, wo ich mich immer vor Angriffen (von oben) sicher fühlte.