Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Beitrag befasst sich mit der Möglichkeit, die Zahl der Scheidungen zu verringern durch eine bessere Vorbereitung auf die Ehe.
Obwohl wir heute besser und bequemer leben und uns es eigentlich leisten könnten, friedlicher und toleranter miteinander umzugehen, gibt es immer mehr Scheidungen.
Der steigende Wohlstand führt zu einem Steigen der Ansprüche, Ansprüche auch an die Partner, die dem oft nicht mehr gerecht werden können – die Ehe zerbricht.
Oft sind dabei auch Kinder betroffen, Kinder, für die ein intaktes Elternhaus zu den wichtigsten Bedingungen für eine gesunde seelische Entwicklung gehört.
Die Auseinandersetzungen der Eltern vor und während der Scheidung führt bei den betroffenen Kindern häufig zu Störungen im Sozialverhalten,
deren Auswirkungen – oder Heilung – die gesamte Gesellschaft belastet.
Aber auch sonst sind Scheidungen ein Schaden für die gesamte Gesellschaft:
Die sowieso überlastete Justiz wird noch mehr beschäftigt.
Häufig sind die Expartner so ruiniert, dass ihre (berufliche) Leistungsfähigkeit stark gemindert ist, oder sie sogar der Gemeinschaft finanziell zur Last fallen.
(Laut) Das muss in diesem Ausmaß nicht sein.
Meine Damen und Herren,
jeder Führerscheinbewerber muss Kenntnisse über das Verhalten im Notfall nachweisen.
Ich finde, auch Brautpaare sollten Kurse besuchen, wie man sich im
Notfall in der Ehe verhält.
- Dass nicht nur die eigene Meinung zählt.
- Wie man klare Absprachen trifft.
- Wie man Missverständnisse beseitigt.
usw.
Bitte setzen auch Sie sich dafür ein, dass Brautpaaren der Besuch solcher Kurse empfohlen wird, ja dass langfristig der Besuch solcher Kurse vor der Ehe zur Regel wird.
Ich danke Ihnen.
Dieser Text entstand 1998 als Übungsrede bei einem Rhetorik-Seminar. (Eine andere Fassung ging mehr auf die Folgen für die Kinder ein). Er hat anschließend heftige Diskussionen ausgelöst und das Thema wurde auch mit höchster Stimmenzahl für eine der Übungen zu Podiumsdiskussionen ausgewählt.
Und irgendwann irgendwo habe ich gelesen:
Kein Paar sollte heiraten, wenn es nicht vorher
- eine Woche
- in einer Einzimmerwohnung
- mit tropfendem Wasserhahn
- einem nicht stubenreinen Hund
- und einem Baby, das nachts noch nicht durchschläft,
zusammengelebt hat.
Nachtrag:
Mittlerweile habe ich erfahren, dass mit der Anwendung des Familienrats Menschen von klein auf diese Umgangsweisen lernen,
die später die beste Basis für eine gelingende Beziehung sind.