|
Seinen Einsatz zur Rettung von Passagieren und Besatzung der Fähre "Schwalbe" hat der Steuermann John Maynard mit dem Leben bezahlt. Auf der Fahrt der Fähre "Schwalbe" von Detroit nach Buffalo brach gestern früh, 20 Minuten vor der Landung, in der Kajüte Feuer aus. Innerhalb weniger Minuten stand fast das ganze Schiff in Flammen. Nur am Bug, der von Feuer und Qualm verschont blieb, konnten die Menschen dicht zusammengedrängt aushalten. |
Während der ganzen Zeit jedoch hielt John Maynard an seinem Platz aus und steuerte das Schiff zielstrebig dem Ufer zu und in die Klippen hinein.
Dort konnten alle gerettet werden – alle bis auf John Maynard, der in den Flammen ums Leben kam.
|
Dieser Text entstand als Übungsarbeit auf einem Seminar für Pressearbeit. Wir hatten die Aufgabe, die Handlung der Ballade von Theodor Fontane in eine typische, Aufmerksamkeit weckende Pressemeldung umzusetzen.
Dabei habe ich eine interessante Erfahrung gemacht:
Bei anderen Artikeln, an deren Themen ich interessiert und emotional beteiligt war, machte ich immer wieder Fehler, die Langeweile oder Desinteresse der Leser begünstigten.
Bei dieser Aufgabe hat es mich abgestoßen, ein so schwülstiges Thema "professionell auszuschlachten". Also ging ich distanziert und
emotionslos rein technisch ans Werk, und erntete dafür von der Kursleitung die Bemerkung "Besser geht's nicht."
Fazit:
Bei Texten, die man für andere verfasst, kein Herzblut in die Formulierungen stecken (in die Stoffsammlung natürlich schon), sondern nur den Leser im Blick haben:
Was interessiert ihn, wie weckt und hält man seine Aufmerksamkeit.
Und hier ist das Original:
von Theodor Fontane
John Maynard!
»Wer ist John Maynard?«
»John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.«
* * *
Die »Schwalbe« fliegt über den Erisee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: »Wie weit noch, Steuermann?«
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
»Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund.«
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
»Feuer!« war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: »Wo sind wir? wo?«
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
»Noch da, John Maynard?«
»Ja,Herr. Ich bin.«
»Auf den Strand! In die Brandung!«
»Ich halte drauf hin.«
Und das Schiffsvolk jubelt: »Halt aus! Hallo!«
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. –
»Noch da, John Maynard?« Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: »Ja, Herr, ich halt's!«
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die »Schwalbe« mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
* * *
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
* * *
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
»Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.«